Serie: Origin Story — Episode 1 von 7
// Blog

Warum ich meinen Steuerberater nach 15 Jahren gekündigt habe

Von Roland Fiege · April 2026 · 6 Min. Lesezeit

Es gibt Beziehungen, die halten länger als manche Ehe. Meine Beziehung zu meinem Steuerberater war so eine. 15 Jahre. Pünktliche Zahlungen. Kein Drama. Keine Szenen. Nur: auch keine Liebe.

TL;DR: Nach 15 Jahren und zwei Steuerberaterkanzleien — beide mit gravierenden Fehlern, darunter jahrelang falsch berechnete AfA — habe ich als Vermieter mit 8 Mietobjekten endgültig gekündigt. Der Wendepunkt: ein Abend mit ChatGPT, der mein Verhältnis zu Steuern für immer verändert hat.
📥
25 kostenlose KI-Prompts für Vermieter

Von Anlage V bis Bescheid-Check — sofort einsetzbar.

Kostenlos holen →

Ich bin Roland. 40+, verheiratet, zwei Kinder, acht Mietobjekte in der Pfalz, Vollzeitjob im Online-Marketing bei Axregio. Wenn du mich fragst, was ich beruflich mache, sage ich meistens: „Zu viel.“ Und genau deshalb hatte ich einen Steuerberater. Weil ich dachte, das sei das Vernünftige.

Spoiler: War es nicht.

Die erste große Liebe (Steuerberater #1)

Meinen ersten Steuerberater habe ich bekommen wie die meisten Leute ihren ersten Steuerberater bekommen: durch eine Empfehlung. „Der ist gut, der macht das schon.“ Berühmte letzte Worte.

Er hat es „gemacht“. Jahre lang. Und ich habe Jahre lang bezahlt, ohne zu fragen, was er da eigentlich macht. Weil — wer prüft schon seinen Steuerberater? Das ist ja der Witz. Du zahlst jemanden, damit er die Sachen prüft, die du nicht verstehst. Und dann prüft niemand, ob er das auch wirklich tut.

Eines Tages — ich hatte inzwischen vier Mietobjekte — habe ich einen befreundeten Immobilieninvestor beim Bier gefragt, welchen AfA-Satz er ansetzt. Der hat mir seine Zahlen genannt. Ich habe meine daneben gelegt. Und dann habe ich geguckt wie ein Auto.

Mein Steuerberater hatte die AfA über Jahre falsch berechnet. Bei mehreren Objekten. Das klingt nach einem kleinen Fehler. Ist es nicht. AfA ist die Abschreibung auf dein Gebäude — das ist bei Vermietern einer der größten Posten überhaupt. Falsch berechnet heißt: Du zahlst zu viel Steuern. Jedes. Einzelne. Jahr.

Und das Beste: Ein Teil der Nachberechnung war bereits verjährt. Das Geld war weg. Einfach so. Weil mein Steuerberater nicht richtig gerechnet hat und ich ihm vertraut habe.

Kündigung Nummer eins.

Die zweite Chance (Steuerberater #2)

Ich bin kein Mensch, der sich von einer schlechten Erfahrung unterkriegen lässt. Also habe ich einen neuen Steuerberater gesucht. Diesmal gründlicher. Referenzen gecheckt. Erstgespräch geführt. Der neue war kompetenter, professioneller, strukturierter. Am Anfang.

Dann kamen die bekannten Muster zurück. Langsame Antworten — ich rede nicht von „ein paar Stunden“, ich rede von Tagen. Manchmal Wochen. Werbungskosten, die vergessen wurden. Bescheide, die er mir unkommentiert weiterleitete mit einem „Sieht alles gut aus.“

Sieht alles gut aus. Drei Worte, die mich am Ende über tausend Euro gekostet haben. Aber dazu in Episode 2 mehr.

Was mich am meisten gestört hat: Mein Steuerberater kannte meine Objekte schlechter als ich. Ich wusste, wann welche Renovierung lief, welche Nebenkosten ich umgelegt hatte, welche Reparatur in welchem Quartal fällig war. Er wusste das nicht. Er hatte meine Ordner. Er hatte meine Belege. Aber er hatte kein echtes Bild von meinem Portfolio.

Und dafür habe ich 3.200 Euro im Jahr bezahlt.

Der Wendepunkt

Ich mache seit über 15 Jahren Online-Marketing. Ich habe internationale Kampagnen gesteuert, bei IPG Mediabrands in Frankfurt und London gearbeitet, war TV-Experte bei n-tv und ARD/ZDF, habe an der FH Köln und der Uni St. Gallen als Gastdozent gelehrt. Ich sage das nicht, um anzugeben. Ich sage das, um einen Punkt zu machen:

Ich bin jemand, der Tools versteht. Der Systeme versteht. Der Daten versteht.

Und im Herbst 2024 habe ich mich hingesetzt und zum ersten Mal die Frage gestellt, die ich mir längst hätte stellen sollen: Was wäre, wenn ich meinen Steuerbescheid nicht von meinem Steuerberater prüfen lasse — sondern von einer KI?

Es war ein Abend im Oktober 2024. Die Kinder waren im Bett. Meine Frau guckte irgendeine Serie. Und ich saß am Küchentisch mit meinem Steuerbescheid 2023, einem Laptop und ChatGPT.

Was in den nächsten 40 Minuten passierte, hat mein Verhältnis zu Steuern — und zu Steuerberatern — für immer verändert.

Aber das erzähle ich dir in Episode 2.

Die Kosten des blinden Vertrauens

Lass mich dir mal eine Zahl nennen, die mich bis heute ärgert. In 15 Jahren habe ich insgesamt über 40.000 Euro an Steuerberater-Honorare bezahlt. Vierzigtausend Euro. Für eine Dienstleistung, bei der zwei verschiedene Kanzleien Fehler gemacht haben, die mich zusätzlich Geld gekostet haben.

Und das Verrückte: Ich habe das nie hinterfragt. Jedes Jahr kam die Rechnung, jedes Jahr habe ich bezahlt. Weil „man das so macht“. Weil „Steuern kompliziert sind“. Weil „man das als Vermieter braucht“.

Kennst du das? Du hast acht Mietobjekte in Mannheim und ein EFH in Worms. Jedes Objekt hat seine eigene AfA, seine eigenen Werbungskosten, seine eigene Nebenkostenabrechnung. Dazu kommen Darlehenszinsen, Grundsteuer, Versicherungen, Handwerkerrechnungen. Das ist ein Berg an Zahlen. Und weil es ein Berg ist, denkst du: Das kann ich nicht selbst. Dafür brauche ich einen Profi.

Aber hier ist die Wahrheit, die ich nach 15 Jahren gelernt habe: Der Berg ist nicht hoch. Er ist nur breit. Es sind viele Positionen — aber jede einzelne ist logisch. Jede einzelne folgt klaren Regeln. Und für genau solche Aufgaben — viele Positionen, klare Regeln — ist KI gebaut worden.

Warum Vermieter besonders betroffen sind

Ich rede hier nicht über den Angestellten mit einer Steuerklärung auf drei Seiten. Ich rede über uns — Vermieter. Leute mit Anlage V. Leute, die jedes Jahr Dutzende von Belegen zusammensuchen, in Ordner packen und an einen Steuerberater schicken, der sie in DATEV eintippt.

Das Problem bei Vermietern ist: Die Fehlerquellen sind so zahlreich, dass ein Steuerberater, der sich nicht die Mühe macht, wirklich hinzuschauen, praktisch garantiert etwas übersieht. Hier nur ein paar Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung:

Jeder einzelne Punkt klingt klein. Aber in Summe, über acht Objekte, über 15 Jahre? Das sind Zehntausende Euro. Geld, das mir zusteht. Geld, das auf dem Tisch lag. Und niemand hat es aufgehoben.

Der Moment, in dem das Vertrauen bricht

Es gibt diesen einen Moment in jeder langen Beziehung, in dem du merkst: Das hier funktioniert nicht mehr. Bei mir war es nicht ein großer Knall. Es war eher ein schleichendes Gefühl. Eine E-Mail, die drei Wochen unbeantwortet blieb. Ein Bescheid, der ohne Kommentar weitergeleitet wurde. Eine Rechnung über 3.200 Euro, bei der ich mich zum ersten Mal fragte: Was bekomme ich eigentlich dafür?

Und dann, an diesem Oktoberabend 2024, habe ich zum ersten Mal den Steuerbescheid selbst gelesen. Nicht überflogen. Gelesen. Und was ich gefunden habe, hat alles verändert.

Wenn du Vermieter bist und dieses Gefühl kennst — dieses nagende „Macht der eigentlich einen guten Job?“ — dann bist du nicht allein. 3,9 Millionen private Vermieter in Deutschland haben einen Steuerberater. Die meisten zahlen zwischen 1.500 und 4.000 Euro im Jahr. Und die wenigsten haben jemals einen Steuerbescheid wirklich gelesen.

Was du aus dieser Geschichte mitnehmen kannst

Wenn du Vermieter bist und einen Steuerberater hast: Wie gut kennst du deine eigenen Zahlen? Wann hast du das letzte Mal einen Steuerbescheid wirklich gelesen — nicht überflogen, sondern gelesen? Weißt du, ob deine AfA stimmt? Ob alle Werbungskosten drin sind?

Ich sage nicht, dass dein Steuerberater schlecht ist. Ich sage: Ich habe 15 Jahre lang angenommen, dass meiner gut ist. Und ich lag falsch. Zweimal.

Die Frage ist nicht, ob du deinem Steuerberater vertrauen solltest. Die Frage ist, ob du es dir leisten kannst, nicht zu prüfen.

Ich sage heute jedem Vermieter: Nimm dir eine Stunde. Nur eine. Setz dich hin, öffne deinen letzten Steuerbescheid und lies ihn. Vergleiche die Zahlen mit deiner Erklärung. Frag die KI, ob alles plausibel ist. Du brauchst dafür keinen Abschluss in Steuerrecht. Du brauchst nur die Bereitschaft, hinzuschauen.

Denn das ist die eigentliche Lektion aus 15 Jahren Steuerberater: Es geht nicht darum, ob du einen Steuerberater brauchst. Es geht darum, ob du bereit bist, deine eigenen Finanzen zu verstehen. Und wenn die Antwort ja ist, dann hast du heute Werkzeuge, die es vor fünf Jahren noch nicht gab.

Nächste Woche in Episode 2: Ich nehme dich mit in den Abend, an dem ich meinen Steuerbescheid zum ersten Mal selbst geprüft habe. Drei Fehler. 1.300 Euro. Und ein Steuerberater, der nichts davon gemerkt hat.

Deine Steuern selbst in den Griff bekommen?

25 kostenlose KI-Prompts für Vermieter — die gleichen Prompts, mit denen Roland seine 8 Objekte ohne Steuerberater managt.

Kostenlos starten →

Über den Autor

Roland Fiege verwaltet 8 Mietobjekte, ist Senior Account Manager bei Axregio GmbH und hat mit PromptSteuer ein KI-System aufgebaut, mit dem Vermieter ihre Steuern selbst in den Griff bekommen.

Ehemals IPG Mediabrands (Frankfurt/London), TV-Experte (n-tv, ARD/ZDF), Gastdozent (FH Köln, Uni St. Gallen), publizierter Autor.

Dieser Artikel stellt keine Steuerberatung im Sinne des StBerG dar. Alle Inhalte dienen der allgemeinen Information und Selbsthilfe. Für individuelle steuerliche Fragen konsultiere einen zugelassenen Steuerberater.